Mein Schuhschrank, und warum ich die Tür manchmal einfach offen
Ich habe lange so getan, als wäre das nur Ordnung. Weiße Fronten, LED-Licht, alles an seinem Platz. In Wahrheit ist es der Raum, in den ich gehe, wenn der Tag noch keine Meinung hat und ich eine brauche.
Links die Heels, Reihe für Reihe. Schwarz, Nude, ein bisschen Silber, ganz unten die Roten, die man nicht aus Versehen anzieht. Darüber der Satz an der Wand, den ich selbst aufgehängt habe: Shoes make a better day. Mit dem kleinen Herz darunter. Klingt harmlos. Ist es nicht immer.
In der Mitte hängen die Stiefel. Overknee, glatt, einer in Nude, einer mit dem Schlangenmuster, das ich nur raushole, wenn ich weiß, dass jemand genauer hinschaut als nötig. Darunter die kürzeren, braun und schwarz, für Tage, an denen ich entschlossen aussehen will, ohne es auszusprechen.
Rechts steht die Louboutin-Schachtel so, dass man den Namen lesen muss, und oben die von Jimmy Choo. Nicht als Trophäe. Eher als Erinnerung daran, dass ich mir manche Abende selbst schenke.
Die Schubladen lasse ich manchmal einen Spalt offen. Flats für den Morgen, etwas Glitzerndes für später, ein Paar, das ich anfasse und dann doch wieder hinlege, weil der Abend noch nicht entschieden ist. Der Teppich ist weich genug, dass ich barfuß davor stehen kann und trotzdem das Gefühl habe, schon halb angezogen zu sein.
Es ist kein Museum. Es ist mein Schrank. Ich öffne die Türen, das Licht geht warm an, und für einen Moment gehört der Tag mir. Welches Paar ich nehme, verrate ich nicht immer. Manchmal reicht es, dass ich es weiß, bevor ich die Wohnung verlasse.